Tiergerechte Kaninchenhaltung - TierRettung Herford

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Kleintierhaltung
Tiergerechte Kaninchenhaltung



„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ (Antoine de Saint-Exupery)

Über sechs Millionen Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster leben in deutschen Haushalten. Wenn Kinder den Wunsch nach einem eigenen Haustier äußern, entscheiden sich Eltern häufig für ein kuscheliges Kleintier. Denn viele Eltern denken, dass die Haltung eines kleinen Tieres auch nur einen kleinen Aufwand erfordert. Außerdem wird ein Kleintier von Eltern und Kindern als leicht zu haltendes lebendiges Spielzeug betrachtet. Dann wird schnell ein einzelnes Kaninchen oder einzelnes Meerschweinchen zusammen mit einem günstigen Gitterkäfig und einer Schachtel Trockenfutter gekauft und im Kinderzimmer abgestellt. Oder das Tier wird in einem kleinen Holzstall im Garten untergebracht. Dem Hamster wird als Lebensraum ein kleiner bunter Plastikkäfig geboten. Diese Form der Tierhaltung berücksichtigt nicht die spezifischen Verhaltensweisen und Grundbedürfnisse der jeweiligen Tierart.

Aber auch für die Kinder werden die Tiere bei so einer Haltung schnell langweilig oder sogar lästig: Das Kaninchen, das aufgrund mangelnder Beschäftigungs- und Bewegungsmöglichkeit nur monoton in der Ecke sitzt oder sogar bissig ist; der Hamster, der tagsüber schläft; das Meerschweinchen, welches bei dem Griff in den Käfig in sein Häuschen flüchtet; sie alle verlieren sehr bald an Reiz. Das Versorgen der Tiere ist dann ganz schnell die Aufgabe der Eltern oder wird nur widerwillig gemacht.

Wenn aber Eltern und Kinder bereit sind, sich für die Bedürfnisse von Kleintieren zu sensibilisieren und eine tiergerechte Haltung zu praktizieren, können sie ihren Tieren mehr Lebensqualität und Lebensfreude bieten. Damit beweisen sie, dass sie echte Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen und werden auch selbst mehr Freude an und mit ihren Tieren haben!

Wir möchten deshalb hier Basisinformationen über die tiergerechte Kaninchenhaltung geben. Dabei gilt: Nie allein! Immer frisches Heu! Viel Platz!

Gesellschaft

Kaninchen sind sehr gesellige Tiere, die in der Natur in Gruppen zusammenleben. Deshalb brauchen sie für ein glückliches Kaninchenleben unbedingt mindestens einen Artgenossen! Kaninchen einzeln zu halten ist absolut nicht artgerecht. Ein Meerschweinchen ist wegen der unterschiedlichen „Sprache“ und Verhaltensweisen nicht als Partner geeignet. Männliche Kaninchen müssen frühzeitig kastriert werden, um Nachwuchs und Revierkämpfe zu verhindern. (Das Zusammenführen fremder Kaninchen ist nicht ganz einfach. Hierbei werden häufig Fehler gemacht und viele Kaninchenhalter behaupten dann fälschlicherweise, dass ihr Kaninchen unverträglich sei. Infos zur Vergesellschaftung unter www.die-kaninchen-info.de.)




Ernährung

Kaninchen sind Pflanzenfresser. Frisches und hochwertiges Heu ist das absolute Grundnahrungsmittel für Kaninchen und für die Gesunderhaltung unentbehrlich! Der hohe Rohfaseranteil sorgt für eine geregelte Verdauung und gewährleistet den Zahnabrieb der ständig nachwachsenden Backenzähne. Heu muss immer zur Verfügung stehen! Hochwertiges Heu ist grünlich, grobhalmig und duftet aromatisch. Es ist trocken und staubarm. Minderwertiges Heu ist gelblich-bräunlich, weich, staubig, hat keinen Duft oder riecht muffig. Evtl. weist es sogar schwarze Schimmelflecken auf. So ein schlechtes Heu wird von den Kaninchen verschmäht und kann krank machen.



Im Sommer ernähren sich Kaninchen -nach langsamer Eingewöhnung- sehr gerne von frischem Gras und frischen Kräutern, wie z.B. Löwenzahn, Kamille, Gänseblümchen und Spitzwegerich von ungedüngten Wiesen. Ergänzt werden Heu oder Grünfutter regelmäßig durch Gemüse (z.B. Karotten, Fenchel, Brokkoli) und etwas Obst (z.B. Apfel). Zweige (mit Blättern) helfen, die nachwachsenden Schneidezähne abzunutzen und dienen der Beschäftigung. Besonders geeignet sind Haselnusssträucher, Apfel- und Birnenbäume. Falls getreidehaltiges Fertigfutter / Trockenfutter gefüttert wird, sollte maximal ein Esslöffel pro Tier und Tag gegeben werden. Das Futter darf keinen Zucker enthalten.



Brot und die handelsüblichen „Leckerchen“ wie Knabberstangen, Drops, Nagergebäck und ähnliches gehören nicht auf den Kaninchenspeiseplan: Brot ist für die Abnutzung der Zähne wirkungslos und es enthält zu viel schwer verdauliche Stärke, Backtriebmittel und Salz. Leckerchen enthalten viel Zucker, Honig und sogar tierisches Eiweiß (Milch, Joghurt), obwohl Kaninchen reine Pflanzenfresser sind. Die genannten Inhaltsstoffe sind allesamt schwer verdaulich, schädigen die Darmflora und führen bei übermäßiger Fütterung zu Übergewicht. (Quelle: www.nager-info.de. Eine ausführliche Liste von geeignetem Gemüse, Obst, Kräutern und Zweigen und auch Infos über Unverträgliches/Giftiges bietet www.die-kaninchen-info.de)

Gesundheit

Täglich muss überprüft werden, ob alle Tiere zur Fütterung kommen, sich normal verhalten und keine akuten Krankheitszeichen aufweisen. Mindestens einmal wöchentlich muss überprüft werden, ob das Gebiss Anomalien (z.B. zu lange Schneidezähne) aufweist, ob das Kinn trocken ist, ob die Nase trocken ist, ob die Augen tränen oder entzündet sind, ob die Ohren sauber sind, ob Beulen oder Schwellungen am Körper zu fühlen sind, ob das Fell kahle oder schorfige Stellen aufweist, ob die Krallen zu lang sind, ob die Läufe verkrustet oder wund sind und ob der After sauber und nicht verklebt ist. Besonders im Sommer setzen häufig Fliegen ihre Eier in der Afterregion ab, wenn diese feucht oder kotverschmiert ist. Die schlüpfenden Maden fressen sich in kürzester Zeit in die Haut des Kaninchens. Wird der Madenbefall nicht unverzüglich tierärztlich behandelt, stirbt das Tier qualvoll. Außerdem sind regelmäßige Impfungen gegen Myxomatose und RHD wichtig, da diese Viruserkrankungen fast immer tödlich enden.

Unterbringung

Wohnungshaltung: Die handelsüblichen Gitterkäfige sind für eine tiergerechte Haltung ungeeignet, da sie für das ausgeprägte Bewegungsbedürfnis der Tiere zu klein sind und keine Beschäftigungsmöglichkeit bieten. Ein Wohnungsgehege ist eine wirklich tiergerechte und sichere Alternative. So ein Eigenbau ist schöner und oft sogar preiswerter als ein Gitterkäfig. Wer handwerklich nicht so geschickt ist, kann einfach mit einem handelsüblichen Gitter-Freilaufgehege ein Teil des Zimmers als Gehege abtrennen und entsprechend einrichten. (Ausführliche Infos mit Bildern zu „Gehege aus Gitterelementen“: www.die-kaninchen-info.de und in dem Buch „Leben mit Kaninchen“ von Christine Wilde.)



Außenhaltung: Die meisten Holzställe, die der Handel für die Außenhaltung anbietet, sind für eine artgerechte Haltung  ungeeignet. Rennen, Luftsprünge machen, sich aufrichten und buddeln ist darin unmöglich. Solche Ställe können aber in ein Außengehege integriert werden. Bei der Haltung im Freien brauchen Kaninchen einen Schutz vor Sonne und Nässe und eine von allen Seiten gut isolierte wetterfeste Schutzhütte im Gehege. Die Hütte muss genügend Platz bieten und Tag und Nacht frei zugänglich sein. Das Gehege muss nach unten und oben ausbruchssicher sein. Fressfeinde (z.B. Marder, Greifvögel, Füchse, Katzen) dürfen nicht in das Gehege eindringen können.
(Beispiele für selbstgestaltete Innen- und Außengehege mit Tipps zu Sicherheit und Einrichtung: www.tierische-eigenheime.de.tl)

Sandra Hagemeier


Informative Downloads:

Die PowerPoint-Präsentation Artgerechte Kaninchenhaltung beinhaltet die Themen: Unterschied zwischen Hase und Wildkaninchen, Bewegung, Gemeinschaft, Lebensraum und Ernährung. =>Kaninchenhaltung
Erklärungen zu der Präsentation erhalten Sie hier => kaninchen
Das Arbeitsblatt Kaninchenquiz schließt sich an die PowerPoint-Präsentation an. => Kaninchenquiz

 
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